Forschungs­kooperationen – Bahn Magazin

Im Jänner 2019 fand in Paris die Abschlusskonferenz des europaweiten IN2TRACK-Forschungsprojekts statt. Die Erkenntnisse werden bereits auf den Boden gebracht und mit Folgeprojekten weiter verfeinert.

Shift2Rail-Forschungspartner: Im Zuge der EU-weiten Kooperation forschen Dutzende Bahnbetreiber, Forschungseinrichtungen und Industriepartner gemeinsam an einer optimierten Bahninfrastruktur.

Im Zuge der Ökologisierung unseres Verkehrssystems und der ambitionierten Zielsetzungen in Sachen Klimaneutralität rückt das elektrifizierte Schienennetz in Europa in einen ganz neuen Fokus. Kein Wunder, dass die Europäische Union daher eine ganze Menge an Fördergeldern zur Verfügung stellt, um das Bahnnetz in Europa auszubauen.

Doch nicht nur der Ausbau steht im Fokus, sondern auch die Optimierung des gesamten Systems. Denn selbst nach über 150 Jahren Schienenverkehr ist das „Gesamtsystem Bahn“ noch keineswegs fertig entwickelt – ganz im Gegenteil, das Potenzial an technologischen Fortschritten ist schier endlos. Selbst bei oberflächlich betrachtet so „simplen“ wie bewährten Technologien wie Schienen auf Schwellen auf Schotter. Der Teufel steckt nämlich wie immer im Detail und das Ziel der Bemühungen ist in erster Linie eine signifikante Reduzierung der laufenden Betriebs- und Wartungskosten.

Von Shift2Rail bis IN2Track …
Die Namen und Abkürzungen von EU-weiten Forschungsprojekten füllen naturgemäß eine ganze Enzyklopädie – doch nur so viel sei hier erwähnt: Shift2Rail ist ein gemeinsames Forschungsprogramm der Europäischen Union im Rahmen von „Horizon 2020“. Insgesamt soll eine Milliarde Euro zur Verfügung stehen, um die Eisenbahn weiterzuentwickeln. Im Rahmen dessen gibt es zahlreiche Unterprojekte, für die sich Bahnbetreiber, Forschungseinrichtungen sowie Industriepartner international vernetzen und jeweils Forschungsmittel für die Bearbeitung bestimmter Themengebiete erhalten. Ein solches Unterprojekt ist In2Track, das sich im Speziellen mit Fragestellungen rund um Weichen und Kreuzungen beschäftigt und mittlerweile bereits in die dritte Runde geht.

Weichenstellung für optimierte Infrastruktur
Weichen und Kreuzungen sind unerlässliche Bestandteile eines jeden Bahnnetzwerks, um Zügen den Gleiswechsel zu ermöglichen. Das ursprünglich mit ca. 6 Millionen Euro EU-finanzierte Projekt IN2TRACK begann 2016 mit drei spezifischen Zielsetzungen:

  • Verbesserung und Optimierung der Weichen und Kreuzungen sowie der Gleisanlagen, um eine optimale Nutzung der Strecke und der Kapazität zu gewährleisten;
  • Untersuchung neuartiger Möglichkeiten zur Verlängerung der Lebensdauer von Brücken und Tunneln durch neue Ansätze für die Instandhaltung;
  • Entwicklung und Anwendung eines ganzheitlichen, systemübergreifenden Ansatzes.

Im ca. zwei Dutzend Unternehmen zählenden Konsortium ist Österreich mit insgesamt neun Unternehmen besonders prominent vertreten – von ÖBB und Wiener Linien bis hin zu voestalpine, Plasser & Theurer sowie Kirchdorfer Concrete Solutions.

Eine ganz spezielle Forschungsfrage beschäftigte sich insbesondere mit der Weiterentwicklung von Betonfertigteilschwellen, die beim Einsatz unter Weichen besonderen Kräften ausgesetzt sind. Vereinfacht gesagt belastet ein Zug an jenem neuralgischen Punkt, wo die überlangen, gemeinsamen Schwellen zu Ende gehen und sich in zwei Fahrbahnen teilen, die darunterliegenden Schwellen enorm. So kommt es mit der Zeit zu entsprechenden Schädigungen im Gleisschotter, was wiederum hohen und regelmäßigen Wartungsaufwand mit sich bringt.

Und hier kommt nun insbesondere eine Entwicklung der Kirchdorfer Concrete Solutions ins Spiel, die mit einem neuen System von gekoppelten Weichenschwellen diese Belastung gleichmäßig über eine längere Distanz zu verteilen versucht. Dafür wurde im Rahmen des IN2TRACK-Forschungsprojekts vom Konsortiumspartner Getzner Werkstoffe GmbH eine spezielle Sensorfolie entwickelt, die die zuvor nur simulierten Effekte, Kräfte und Spannungsumlagerungen im Gleisschotter bereits seit einiger Zeit im Probebetrieb exakt und in Echtzeit misst.

Mit Weiterentwicklungen wie diesen soll sich in Zukunft der Wartungsaufwand bei der Bahninfrastruktur signifikant verringern und zugleich auch die Verfügbarkeit für Bahnreisende und Gütertransporte entsprechend erhöht werden. Während sich das Ursprungsprojekt mit Theorie und Planung beschäftigte,  ging es bei IN2TRACK vor allem um Umsetzung und Einbau der neuen Lösungen. IN2TRACK3 beschäftigt sich aktuell nun bereits mit der Ergebnisauswertung, Messungen sowie den Rückschlüssen für weitere Verbesserungen.

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